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Folge: [1],[2],[3],[4] [5]
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Das Vermächtnis der Zeit (5)
Im Sarg der
Zeit
In
meiner letzten Folge habe ich ja schon über den "Big
Bang" und den "Big Rib" gesprochen (also die
Auflösung des Universums durch Zerfall der Atomkernstrukturen
in ca. 60 Mrd. Jahren). Von all dem werden wir nichts mehr
erleben, weil selbst wenn die Menschheit so lange überleben
könnte, wird unsere dem lange schon einen Schlussstrich
gezogen haben und wir müssten uns weit vor dem nach einer
neuen Bleibe umgesehen haben. Das wäre so in ca. 4 Mrd.
Jahren der Fall. Was aber mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit überdauern wird, sind die physikalischen
Gesetzmäßigkeiten, denen unser Universum unterworfen
ist. Selbst wenn es nach unserem Universum wieder ein Universum
geben sollte, dann wird dieses wieder den gleichen Gesetzen
unterworfen. Was sich unseren Verständnis entzieht, ist
die Singularität und wie sie funktioniert. Wir müssen
uns das so vorstellen: da ist ein leerer Raum (auf diese Leere
werde ich noch gesondert zu sprechen kommen) und in diesem leeren
Raum taucht an einem wirklich winzig kleinen Punkt plötzlich
diese Singularität auf, die sich sofort explosionsartig
ausdehnt. Also der berühmte "Big Bang". Bis dahin
hat sich aber noch lange keine Materie ausgebildet, das dauert
einige Sekunden bis hunderte von Jahren, bis sich Materie
manifestiert hat. Was in dieser Zeit vor sich geht, haben die
Physiker bis heute noch nicht eindeutig ergründen können.
Jedenfalls, wenn man den String-Theoretikern folgen darf, dann
bilden sich immer mehrere Instanzen eines Universum gleichzeitig
aus, die Zahl 11 Universen wird genannt, aber auch 21. So genau
scheint das noch niemand zu wissen. Entscheidend ist, dass wir
in der Physik - und dabei besonders in der Physik der Zeit - über
das bloße experimentelle Messen mit Atomuhren hinaus, vor
allem davon leben, dass theoretische Forschung betrieben wird.
Dabei kommt es darauf an, dass die von den Physikern verwendeten
mathematischen Modelle heute mit einer schon phantastischen
Genauigkeit in computergestützten Simulationen nachgebildet
werden können. Was bei solchen Simulationen entsteht, sind
"artifzielle Welten" mit unterschiedlich genauer
Ausprägung. Das Gute daran ist, dass wir die Zeit in
diesen Modellen beliebig oft "zurückdrehen" können.
Etwas, was in unserem Leben nur mit Hilfe unseres Gedächtnisses
möglich ist, um eine Situation noch einmal zu durchleben.
Aber dabei wird von unserem Gehirn auch nichts weiter geschaffen,
als eine virtuelle Simulation dessen, was einmal war. In die Zeit
zurückspringen oder in die Zukunft reisen, können wir
nicht. Das ist uns durch das Kontinuum und die Grenze der
Singularität verwehrt. Wir können lediglich
milliardenjahre alte Artefakte betrachten und untersuchen. Aber
direkt in die Zeit der Vergangenheit zurückspringen geht
nicht. Jedenfalls nicht so einfach, dazu wäre ein irrer
Aufwand an Energie und Materie erforderlich, der sich selbst bei
dem allergrößten Forscherdrang nicht finanzieren
ließe. Aber was verwehrt uns eigentlich diese Rückkehr
in die Vergangenheit? Dass wir nicht in eine Zukunft springen
können, die es noch gar nicht geben kann, scheint logisch und
verständlich. Aber etwas, was schon einmal da war, müsste
nach menschlichem Ermessen doch jederzeit wieder erreichbar sein.
Da ist aber eine imaginäre Mauer, die uns daran hindert und
die Vergangenheit gegen eine Veränderung abschirmt: das
Jetzt. Was ist eigentlich das "Jetzt"? Ich hatte in
einer meiner ersten Folgen schon davon gesprochen, dass wir in
unserem Erleben von Zeit immer dem "Jetzt" einen
winzigen Bruchteil einer Sekunde hinterherhinken, weil unser
Gehirn zwar ein verflixt schneller analoger Computer ist, aber
trotzdem einiges an "Rechenzeit" braucht (abhängig
von der Nervensignalleitgeschwindigkeit) und uns deshalb immer
keinen kleinen Ruck in Richtung Vergangenheit versetzt. Bis wir
wahrnehmen, was "Jetzt" war, ist das "Jetzt"
schon wieder vollkommen anders. Wir können uns diesem "Jetzt"
auch mit technischen Mitteln immer nur in einer Limesfunktion
annähern, sprich "lim(t=0)".
Weiter kommen wir nicht in Richtung Vergangenheit. Wir könnten
dieses Paradoxon vielleicht dadurch überlisten, in dem wir
uns in einem virtuellen Raum befinden, in dem die Uhr ein paar
Sekunden oder Minuten nachgeht und alles so in Echtzeit abgebildet
wird, wie es vor Sekunden oder Minuten tatsächlich geschehen
ist. Wir würden mit unserem virtuellen Raum dann eine
virtuelle Reise in die Vergangenheit unternehmen können. Aber
es ist künstlich. Wir können nicht in diese
Vergangenheit zurück und Dinge oder Tatsachen verändern.
Selbst der virtuelle Raum würde das nicht zulassen, denn da
ständig ja Ereignisse "gepuffert" werden müssen,
um diese dann zeitversetzt wiedergeben zu können, würde
alle von der Vergangenheit abweichenden Handlungen unsererseits im
Augenblick des Handelns wieder negieren. In sofern ist die Zeit
der Vergangenheit für immer und ewig konserviert und wir
können diese Schwelle auch nicht überwinden. Im Prinzip
ist die Vergangenheit tot und begraben und liegt in einem Sarg,
der für sich für uns nicht mehr öffnen lässt.
Aber trotzdem dokumentiert die Zeit alle unsere guten und
schlechten Taten, ohne dass wir sie je korrigieren könnten.
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