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Das Vermächtnis der Zeit

Am Anfang stand die Zeit

Wer sich fragt, woher er kommt, denkt vermutlich in viel zu kleinen Zeiträumen, die allenfalls ein paar Generationen, also den Augenblick weniger Jahrhunderte umfassen. Was den meisten Menschen fehlt, ist der Blickwinkel der Spiritualität, der sich mit dem auf der Zeitachse in die Vergangenheit gerichteten Ende der Zeit Anfang unserer Geschichte befasst. Alle unsere Atome, aus denen unser irdischer Körper besteht, sind zum größten Teil schwere Atome, die bei der Explosion einer Sonne entstanden sind; also das Produkt einer Supernova. Solche Supernovae sind überhaupt nicht selten, zumal es Milliarden von Sonnen in unserem Universum gibt und im Verlauf von Milliarden von Jahren, in der eine Sonne stirbt, entstehen unzählige solcher Supernovae. Wann entsteht eine solche Supernova? Dazu muss man sich einfach vorstellen, dass es sich bei einer Sonne am Anfang ihrer Entstehungszeit hauptsächlich um eine Gaswolke handelt, die sich durch die Akkretion immer mehr verdichtet, bis sie eine solch enorme Dichte erreicht hat, dass die Moleküle und Atome des Gases immer heißer werden. Dann ist die Anziehungskraft der Wolke aber auch schon so hoch, dass immer mehr Staub aus dem umliegenden Raum in diese Wolke hinein gezogen wird. Irgendwann ist die Dichte so hoch und die in der Wolke herrschenden Temperaturen so enorm, dass die im Zentrum der Wolke befindliche Materie zündet. Es kommt zu Kernverschmelzung beim Wasserstoff und zur Produktion von Neutronen, wodurch weitere Kernverschmelzungen und die Produktion von noch mehr Neutronen angeregt wird. Die so entstehende Kettenreaktion kann man sich wie eine ungeheure Wasserstoffbombe vorstellen, die in Bruchteilen einer Sekunde die gesamte Wolke zu einer Sonne erleuchten lässt. Der Himmel brennt, könnte man dieses Schauspiel nennen – letztendlich ist es das auch. Eine gewaltige Explosion, die sich bis an den Rand der verdichteten Gas- und Staubwolke ausbreitet, erfasst diese und lässt sie hell am Sternenhimmel erleuchten. Was da brennt, ist der Wasserstoff, wobei zwei Atome Wasserstoff zu Helium verschmolzen werden. Irgendwann, innerhalb von wenigen Jahrtausenden, wenn die Gaswolke besonders groß und reich an Materie war – oder eben in Jahr Milliarden, wenn die Gaswolke klein und besonders dicht war, ist der Wasserstoff im Zentrum der Gaswolke, die inzwischen eine Sonne ist, verbraucht und wenn die Masse der Heliumatome die Masse der noch vorhandenen Wasserstoffatome überwiegt, kommt es um sogenannten Heliumblitz, in dem die durch die Konvektion nach außen strebende Heliumhülle der Sonne zündet und dann abbrennt. Atome wie Sauerstoff, Kohlenstoff, Stickstoff und Eisen werden laufend in den Übergangszonen des Wasserstoffkerns und der sich erst außen und dann immer dicker werdenden Heliumhülle erbrütet. Damit erhöht sich auch die Masse der Sonne und je mehr Masse sie hat, um so weiter dehnt sie sich aus und vermindert dadurch auch den Druck im Zentrum ihres Gaskörpers. Irgendwann ist auch das Helium im Zentrum der Sonne verbrannt, was tausendfach schneller vonstatten geht, als das Verbrennen des Wasserstoffs – und dann stürzt das schwere erbrütete Material, also die Sauerstoff-, Kohlenstoff-, Stickstoff- und Eisenatome ins Innere und dabei verdichtet sich die Sonne in ihrer spezifischen Masse immer mehr zu einem winzig kleinen Kern, dessen Dichte einen so hohen Druck erzeugt, dass vor allem Eisenatome in der jetzt folgenden Fusionsexplosion vor allem das schwere Eisen übrig bleibt. Die gesamte Heliumschale stürzt durch die jetzt herrschende Gravitation von innen nach außen ins Zentrum und erhöht damit Masse und Druck im Inneren. Ist die Masse der Heliumschale nicht groß genug, bleibt nach diesem Prozess nur ein weißer Zwerg mit einem planetaren Nebel übrig – was das Schicksal unserer eigenen Sonne werden wird. Ist die Masse größer, kommt es zur Explosion des Zentrums und dabei werden Eisenatome auch zu den viel schwereren Atomen des Periodensystems verschmolzen und das gesamte Material wird vom Zentrum weg in die Weiten des Raums geschleudert. Dann spricht man von einer Supernova.

Wichtig ist, dass wir begreifen, dass alle Atome, aus denen unser menschlicher Körper besteht, aus einer solchen Sonne stammen. Wir sind aus Sternenstaub geboren und werden irgendwann wieder zu Sternenstaub werden, sofern die Materie, aus der unser menschlicher Körper besteht, in den Gaskörper einer Sonne hineingezogen wird oder wir enden als planetare Materie im Umfeld eines Weißen Zwergs, wie unsere Sonne einmal enden wird, in dem planetaren Nebel.

Aus Staub bist Du geboren und zu Staub sollst Du werden...

Im Grunde haben göttliche Kräfte mitgewirkt, uns entstehen zu lassen. Denn die Milliarden Jahre an Evolution, die uns von einfachen Atomen über Molekülgruppen und Radikale zu lebensfähigen Einzellern und später zu Verbänden von Einzellern und den ersten komplexen Kleinlebewesen in einer vollkommen rauen, unwirtlichen Welt hat werden lassen, aus denen sich Pflanzen und Tiere weiterentwickelt haben, bis die Urformen der Spezies Homo das Licht der Welt erblickten, sind ein Wunder der Schöpfung. Wir sind uns überhaupt nicht bewusst, was für ein heiliger Ort dieser Planet ist. Mars und Venus, unsere Nachbarplaneten, haben ihre natürliche Atmosphäre verloren und sind zu unwirtlichen Orten geworden, an denen Leben, so wie wir es kennen, nicht mehr möglich ist. Der Mond, ein Begleiter aus der Zeit von vor drei Milliarden Jahren, war schon immer ein Himmelskörper, der nur aus Stein, Glas und Staub bestand; Materie, wie sie von einem erkaltenden Stern ausgespuckt und durch die Akkretion zusammen gebacken.

Aber der Mond, als er von der Erde in ihren Einflussbereich ihrer Gravitation gezogen wurde, hat eine wichtige Aufgabe für uns übernommen: er sorgt für Ebbe und Flut und liefert damit, in dem er durch die Gravitation seiner Masse nicht nur unser Wasser sondern auch unsere Landmassen anhebt und senkt für die ausreichende Konvektion des flüssigen Magmas in unserem Erdinneren. Denn nur unsere dünne Kruste, die nur rund 100km dick ist und etwa so dick wie unsere Atmosphäre, ist soweit erkaltet, dass wir darauf leben können. Die Konvektion des Magmas sorgt aber auch für Erdbeben und vulkanische Aktivitäten. Die sich ständig verschiebenden Erdplatten, die einst nur aus einem einzigen Kontinent Pangäa bestanden, formen ein dynamisches Gesicht der Erde.

Warum Am Anfang stand die Zeit? Weil es den Urknall gab. Unser Universum entstand aus der Singularität und dehnt sich seit dem in dieser immer weiter aus. Es ist ein endlicher Raum, der sich in sich selbst ausdehnt, durch Kräfte angetrieben, die von den Astrophysikern immer noch nicht ganz erklärt werden können. Aber am Anfang stand die Zeit. Denn in der Singularität war die physikalische Dimension der Zeit noch nicht vorhanden. Erst durch die gewaltige Explosion, aus der das Universum entstand, entstand diese für uns wichtigste Dimension, die vierte Dimension der Zeit.

Ich gehöre einer sterbenden Spezies an. Die Spezies Homo sapiens sapiens, der Moderne Mensch, wird untergehen. Mit ihm aber auch eine Fülle von Wissen, das niemand mehr wiedergewinnen kann. Aber trotzdem ist es wichtig, Wissen zu sammeln und an jüngere Menschen weiter zu geben, damit die sich auch ein Bild von dem Wunder machen kann, als die Zeit nicht mehr stand. Aber nur dadurch kann ich sagen: ich bin existent.

Wer weiterlesen möchte, der kann dies in der nächsten Folge tun, die ich in wenigen Tagen ins Netz stellen werde.